Haus St. Benedikt und Rektoratskirche


Das Haus St. Benedikt und die Rektoratskirche zu Mariä Himmelfahrt

Nachdem die als Nachfolger der ehemaligen südtiroler Kapuziner über lange Jahre tätig gewesenen polnischen Kapuziner 2007 nach der Auflassung des Klosterstandortes Wolfsberg unsere Stadt verlassen hatten, übernahmen die Benediktiner des Stiftes St. Paul im Lavanttal Kirche und Kloster und nannten letzteres nach ihrem Ordensgründer Haus St. Benedikt. Die Kirche trägt seither den Namen Rektoratskirche Mariä Himmelfahrt, war jedoch bereits zur Zeit der Kapuziner der Himmelfahrt Mariens geweiht. Kirchenrektor ist Pater MMag. Dr. Thomas Petutschnig OSB, lesen Sie hierzu auch seine persönliche Vorstellung unter Team.
Derzeit wird das Haus St. Benedikt vor allem innen einer Generalsanierung und Umgestaltung der Räumlichkeiten unterzogen um es für die zukünftige Verwendung optimal anzupassen. Der Name Franziskussaal für den früheren Veranstaltungssaal wird viele Wolfsbergerinnen und Wolfsberger weiterhin an die ehemals in unserer Stadt tätigen Kapuziner erinnern.

Herr Mag. Bernhard Wagner

Geschichte des ehemaligen Kapuzinerordens in Wolfsberg

Als Folge der lutherischen Reformation entwickelte sich die katholische Gegenreformation, die in unseren Gebieten etwa zwischen 1590 und 1650 vor sich ging. Kaiser Ferdinand II. (1619-1637), welcher der steirischen Linie der Habsburger entstammte und ein heftiger Verfechter der Gegenreformation war, unterstützte deshalb neben einigen anderen Orden auch den der aufstrebenden Kapuziner, um die katholischen Glaubensregeln wieder ins rechte Licht rücken zu können.
Der Kapuzinerorden wurde 1525 in Italien von Pater Matthäus a Bassi gegründet, und es dauerte keine hundert Jahre, bis die Ordensbrüder dieser Kongregation sich in Wolfsberg ansässig machten. Die aus der Provinz Venezien gekommenen Patres gründeten hier ein Kapuziner-Provinzial mit Definitorium, noch bevor Kirche und Kloster erbaut wurden. Es ist nicht genau bekannt, wo sich diese damalige Niederlassung befand, aber aus den Annalen geht hervor, dass am 17. Mai 1623 zu Wolfsberg ein Provinzkapitel gehalten wurde und dabei P. Blasius Vincentinus zum Provincial gewählt wurde. Bei diesem Kapitel beschloß man auch den Bau des Klosters und der Kirche an ihrem heutigen Standpunkt, der Baubeginn verzögerte sich jedoch aus unbekannten Gründen um elf Jahre, bis dann am 17. September 1634 vom St. Pauler Benediktinerabt Hieronymus unter großer Anteilnahme der Bevölkerung der Spatenstich zur Errichtung von Kloster und Kirche erfolgte.
Große Förderer der Kapuziner waren zu dieser Zeit der Bamberger Bischof Franz von Hatzfeld, der hier einige Besitzungen sein Eigen nannte, außerdem die Hollenegger Gräfin Ursula von Thonhausen, welche beide den Hauptanteil der Baukosten trugen. Am 18. April 1638 war es soweit, dass Kloster und Kirche von dem in St. Andrä residierenden Lavanter Fürstbischof Leonhard Götz zu Ehren Mariä Himmelfahrt geweiht und eröffnet werden konnten.
Die große Brandkatastrophe in Wolfsberg im Jahre 1777 machte auch vor den Toren der Kapuziner nicht halt. Kloster und Kirche fielen den Flammen zum Opfer. Kaiserin Maria Theresia gab den Kapuzinern bald nach dem Brand die nötige finanzielle Unterstützung zum Wiederaufbau und seit damals besteht die Anlage bis auf wenige Änderungen im heutigen Ausmaß.
Unter der Regentschaft Josefs II. (1780-1790) kam es im Zuge des Josefinismus zu zahlreichen Klosterschließungen, und obwohl das Kapuzinerkloster auch auf einer diesbezüglichen Liste stand, entging es einer Schließung.
In den Jahren 1900-1901 war im Kloster eine geistliche Lehranstalt (Klerikat) untergebracht, die dann nach Leibnitz in der Steiermark verlegt wurde.
Das Regime des „Tausendjährigen Reiches“ zog wehrdiensttaugliche Patres zum Militär ein, während ab Mai 1940 die freistehenden Klosterräume an Wohnparteien vermietet wurden. 1949 wurden diese Räume nach Ausziehen der letzten Partei den Patres zurückgegeben, die sich schon immer mit Seelsorgearbeit im gesamten Bereich der Pfarre beschäftigt hatten. Neben dem Religionsunterricht in den Schulen, Betreuung der Klosteranlagen, gelegentlichen Aushilfsarbeiten in der eigenen und in den Nachbarpfarren, Missionstätigkeiten, Altenseelsorge, gehörte noch vieles andere mehr zu den Aufgaben der stets freundlichen Geistlichen.

Die ehemalige Kapuzinerkirche und heutige Rektoratskirche
Mariä Himmelfahrt

Vor der Kirche steht auf einem eingezäunten Stück Wiese das

Swentzestöckl.

Dies ist eine Art Bildstock, aus Stein gehauen, und war einmal entweder ein Grabstein oder aber eine Andachtsstätte, benannt nach dem Wolfsberger Ratsherrn Peter Swentze. Er stand bis zur Auflösung im Jahre 1636 im ehemaligen Stadtfriedhof im Kapuzinergarten. Der Renaissancebildstock aus dem Jahre 1532 wird auf den Flächen mit einfachen, aber hübschen Reliefs der Kreuztragung, Christus an der Martersäule, Kreuzigung und einem Meisterzeichen geschmückt.
Die

Kirche

ist, wie die gesamte Anlage, den Satzungen des Kapuzinerordens entsprechend, recht einfach ausgestattet. Das tonnengewölbte Langhaus mit einer Höhe von zwölf Metern, einem eingezogenen Altarraum und einem dahinterliegenden Betchor gefällt in seiner Schlichtheit. An der Nordseite der Kirche befindet sich eine Lourdesgrotte mit eigenem Eingang von außen und eine zweijochige Seitenkapelle, die seit der letzten Renovierung 1980 durch eine Holzwand in eine Beicht- und eine Andachtskapelle geteilt wurde. Die Musikempore wird von zwei Säulen getragen.
Der Hochaltar stammt aus dem Jahre 1916 und wurde in der Kunstwerkstätte Rungaldier in Gröden gefertigt. Bis zur Renovierung 1961 standen im Kirchenschiff und in den Seitenkapellen auch noch je zwei Seitenaltäre, die nun im Haus St. Benedikt, dem ehemaligen Kloster, aufbewahrt werden. Die Bilder des Hochaltars zeigen in der Mitte Mariä Himmelfahrt, links den Heiligen Fidelis von Sigmaringen und rechts den Heiligen Josef von Leonisse. Diese Werke stammen aus der Hand des Malers Lederwasch.
Einige interessante Bilder von Pater Burtscher, die früher in der Kirche hingen (Mariä Himmelfahrt, Heiliger Franziskus, Heilige Klara etc.), schmücken nun die Bibliothek des Hauses St. Benedikt.
An den Seitenwänden vor dem Hochaltar stehen links eine Holzstatue des Heiligen Josef und rechts eine des Heiligen Antonius, während in der Seitenkapelle Figuren des Heiligen Franziskus, Heiligen Konrad und Heiligen Judas Thaddäus aufgestellt sind. Die Heiligenstatuen des Franziskus und Konrad kamen aus Alt-Ötting, Judas Thaddäus ist eine Arbeit des zeitgenössischen Kärntner Bildhauers und Schnitzers Campidell.
An der Säule, welche die beiden Joche der Seitenkapelle trennt, steht auf einer Konsole eine kleine Holzstatue Mariens mit dem Leichnam Jesu. An der rechten Seitenwand des Langhauses ist eine Grabtafel der 1756 verstorbenen Maria Ziegler, geborene Offner, mit einer in Versform gehaltenen Inschrift eingemauert, die über Leben und Sterben erzählt. Die einfachen Glasfenster spenden dem Innenraum mildes Licht.

Ursprünglicher Text: Herr Kurt Forstner
aus: WOLFSBERG, Geschichte und Kulturdenkmäler
Aktualisierte Fassung: Herr Mag. Bernhard Wagner

Neues aus dem Hause St. Benedikt

Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst,
der daran baut (Ps 127, 1)

Pater MMag. Dr. Thomas PetutschnigEs ist beinahe unfassbar: Am 23. September 2013 war es bereits sechs Jahre her, dass wir Benediktiner von St. Paul das aufgelassene Kapuzinerkloster als „Haus St. Benedikt“ übernommen haben!
Vieles ist seither schon geschehen: So wurden mittlerweile verschiedene Sanierungsarbeiten abgeschlossen und das Refektorium beispielsweise erstrahlt in neuem Glanz. Dank der Hilfsbereitschaft vieler Menschen hat sich auch der Garten zu einem Paradies entwickelt, dessen Blüten die Augen – und dessen Früchte das Herz erfreuen können. Dass die Menschen uns angenommen haben, hat sich bei unseren Gartenfesten gezeigt, die außerordentlich gut besucht waren.
Natürlich bleibt noch einiges zu tun: Einen spürbaren Eingriff wird die Neugestaltung des Nebengebäudes darstellen, in dem in Zukunft ein Hausmeister Wohnraum finden und verschiedene Gruppen die Möglichkeit zum Gestalten ihrer Aktivitäten bekommen sollen. Am Gottesdienstgeschehen wird sich grundsätzlich nichts ändern, nur wurde ab Herbst 2008 das Beichtangebot transparenter gestaltet: Freitags steht ein zweiter Priester für den Empfang des Bußsakraments zur Verfügung, weil erfahrungsgemäß dieser Wochentag dafür besonders beliebt ist. Eine Sonntag-Abendmesse wird nun übrigens nicht mehr gefeiert. Ich merke beinahe täglich, wie viele helfende Hände mein und unser Projekt unterstützen. Ohne diese Unterstützung wäre vieles von dem, was wir bisher erreicht haben, nicht möglich gewesen. Es ist mir ein großes Anliegen, allen Dank zu sagen für die Zeit und die Mühe, die sie aufbringen und opfern. Ich bin gewiss, dass diese zahlreiche Hilfe ein Zeichen dafür ist, dass Gott unser Tun mit seinem Segen begleitet – denn wenn nicht Er das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut.

Auf weiterhin gutes Miteinander freut sich

Ihr Pater Thomas Petutschnig OSB,
Kirchenrektor

Kommentar verfassen